Das Web entwickelt sich von einem Hypertext-Medium zu einer System von interaktiven Anwendungen: "The concept of hypermedia navigation is often replaced by a concept of interaction with an application." Das zeigt eine gross angelegte Navigationsstudie der Universität Hamburg.
Off the Beaten Tracks: Exploring Three Aspects of Web Navigation (pdf, 404kb). Zusammenfassung und Diskussion der Studie bei Websiteoptimization.com: Clickstream Study Reveals Dynamic Web.
Im Vergleich zu früheren Studien von 1994-1996 fällt ein Resultat auf: Der Back-Button wird deutlich weniger benutzt, dafür werden viel häufiger neue Fenster (oder neue Tabs) geöffnet. Dabei gilt der Zusammenhang, dass der Gebrauch des Back-Buttons umso geringer ist, je mehr neue Fenster geöffnet werden. Gleichzeitig beklagten sich die User in dieser Studie, dass es anstrengend sei, mehrere Browserfenster gleichzeitig zu managen - vor allem dann, wenn der Title-Tag der Webseite nicht aussagekräftig ist. Woraus sich einmal mehr die grosse Bedeutung eines guten Title-Tags zeigt (wie zum Beispiel auch für einen guten Bookmark-Eintrag).
Bestätigt wurde durch die Studie die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sich die User auf Webseiten bewegen. 52 % aller Seitenbesuche dauerten weniger als 10 Sekunden. Wenn man nur die neuen Seiten (und nicht auch die wieder besuchten Seiten) berücksichtigt, dauerten 50 % aller Erstseiten-Besuche weniger als 12 Sekunden. Die Verweildauer stieg zwar mit der Menge Text und der Anzahl Links auf einer Seite, aber nur sehr geringfügig. Es ist nach wie vor so, dass die User scannen und nicht lesen, wass die wichtigsten Schreibregeln fürs Web bestätigt. Kein Webschreiber kann davon ausgehen, dass seine Inhalte gelesen werden; vielmehr muss man alles daran setzen, dass sie überhaupt gesehen und für einen Moment lang fixiert werden.
Ein alter Streitpunkt vieler Webdesign-Diskussion ist das Scrollen. Die Studie zeigt, dass 23 % der angeklickten Links nicht auf dem ersten Screen zu sehen sind und also Scrollen erforderten, und das erst noch bei den sehr kurzen Verweilzeiten. Undiskutabel unbrauchbar sind Sites, die querscrollen erfordern; diese Links werden zu weniger als 1 % geklickt.
Bei der Bildschirmgrösse sind die meisten User inzwischen zwar bei 1024x768 Pixel angelangt, aber die wenigsten nützen diese Fläche ganz aus. Die User, die mit maximierten Fenstergrössen surfen, haben dafür noch andere Aufgaben (Update vom 09.10.2006: z.B. für History, Search, Favoriten, sieh Bild). geöffnet. Für die Website steht also nie die ganze Fläche zur Verfügung.
Und geklickt wird vor allem links oben, dort wo die Hauptnavigation ansetzt, sei es horizontal oder vertikal.
Um auf den Untergang des Back Buttons zurückzukommen: Viele Websites sind heute mehr als die Ansammlung von verlinkten Dokumenten. Immer häufiger ist die Website das Gefäss für eine Anwendung (z.B. Online-Shopping, E-Banking, Bloggen, Office-ähnliche Software wie Writely, usw. usf.), und bei diesen Anwendungen braucht man keinen Back Button, weil man dadurch meistens die gemachten Eingaben löschen würde. Vielmehr hat man neben der Website mit der Anwendung noch ein paar andere Fenster offen (News, RSS-Reader, Blogs, Delicious usw.), aus denen man Daten und Inhalte für die Anwendung bezieht.