15. Juli 2007

Plädoyer für das Wort

Web design is the design of words schreibt Gerry McGovern in seiner neusten Ausgabe des New-Thinking-Newsletters.

"A door doesn't need a label saying "Grip Here"; a chair doesn't need a label saying "Sit Here"; a glass doesn't need a label saying "Hold here". We only need to look at these things to know what to do." - Logisch, denken wir.

Die Analogie zum Web ist naheliegend: "What does a website look like? In particular, what would a website look like if you took away all its words? How would your website work if you took away all its words?"

Also: Wieder einmal ein Plädoyer für das Wort von Gerry McGovern.

Ähnlich hat es auch Doug Millison formuliert (vor einigen Jahren schon): "Words are your web site's primary interface element."

08. Juli 2007

Kurs "Schreiben fürs Internet"

Werbung in eigener Sache: Noch bis am 22. Juli kann man sich an der Schule für Gestaltung in Bern für meinen Kurs "Schreiben fürs Internet" (Kursnummer B132, leider nicht direkt verlinkbar) anmelden. Er findet statt jeweils am Montag abend von 19.00 h bis 21.15 h, vier Abende vom 13. August bis 3. September.

  • Kursinhalt: Schreiben für ein Hypertextmedium, Textstruktur, Textdesign, Link- und Navigationsbeschriftung, Schreiben für Suchmaschinen.
  • Methode: ein bisschen Vorlesung, viel praktisches Arbeiten in der Gruppe und allein.
  • Besonderes: Am liebsten arbeite ich mit Texten und Homepages der Kursteilnehmer. Die Motivation und der Nutzen ist am grössten, wenn man am eigenen Beispiel üben und arbeiten kann.

Nach der Erfahrung des letzten Mals werden wir wieder ein Gruppenblog führen, um innerhalb der Klasse miteinander zu kommunizieren.

06. Juli 2007

NZZ mit neuem Design und Layout

Surprise, surprise: Meine bevorzugte News-Site NZZ Online sieht heute abend plötzlich ganz anders aus. Ein paar erste Eindrücke und Bemerkungen:

Navigation

Die vertikale Hauptnavigation wird auf horizontal umgestellt - ein "Trend", der schon vor ein paar Jahren eingesetzt hat mit der New York Times, Wired News, dann Spiegel Online usw. usf.. Die horizontale Navigation gibt mehr Raum in der Breite. Aber: genau dieser Raumgewinn wird nicht genutzt, indem auf jeder einzelnen Artikelseite nur Titel, Lead, Bild und Toolbox links an den Bildschirmrand anschliessen, die Textspalte aber nicht. Dort, wo früher die Navigation war, ist nun weiss.
Nzz_artikel

Ausklapp-Menus:

Wegen der horizontale Navigation braucht es nach unten ausklappbare Menus, was ich persönlich nicht schätze. Ausklapp-Menus stellen meiner Meinung nach zu hohe Anforderungen an die Feinmotorik bei der Maus-Bewegung (siehe Bild unten).
Navi_ie_nzz_3
Ausserdem funktionieren sie (bei Firefox) nicht, wenn ich Javascript desaktiviert habe (siehe Bild unten).
Navi_firefox_nzz
Ich zweifle, ob diese Navigation barrierefrei ist.

Kommentare:

Toll: Jeder Artikel ist ohne grossen Aufwand kommentierbar.

URLs

Die neuen URLs sind sprechender als die alten. Die alten URLs folgten der Logik www.nzz.ch/jahr/monat/tag/ressort/zufallsnummer. Die neuen URLs sind aufgebaut nach dem Schema www.nzz.ch/ressort/unterressort/stichwort_zufallsnummer. Und noch schöner: alle alten URLs funktionieren noch, wie ein XENU-Test mit meinem Blog vorhin soeben ergeben hat.

Schriftgrösse

Eindeutig zu klein. Aber sie lässt sich vergrössern, wenn auch nur übers Browsermenu und nicht über die schon fast Standard gewordenen A+ irgendwo in der rechten oberen Ecke.

Erstes Fazit: ein primär gestalerisch motivierte Überarbeitung der Site. Ich sehe auf den ersten und zweiten Blick keine neuen Inhalte und - ausser der Kommentarfunktion - keine neuen publizistischen Konzepte. Hier war das Magazin eindeutig mutiger.

Die Sicht der NZZ: NZZ Online mit neuem Gesicht

04. Juli 2007

Eigentor Tschäppät

Euro 08 Bern nennt sich der neuste Versuch der Stadtberner Regierung, die Fussballeuphorie zur Euro 08 zu entfachen. ("Euro 08" ist übrigens momentan auch der oberste Navigationspunkt auf der offiziellen Stadt-Bern-Website.)

In der Mitteilung zur neuen Site vom 02.07.2007 wird auch das Stapi-Blog hevorgehoben. Leider schiesst Stapi Tschäppät ein Eigentor: Dieses Blog hat nur dem Namen nach mit einem Blog etwas zu tun: Vergeblich suche ich z. B. einen RSS-Feed und Permalinks. Kommentieren können nur registrierte User.

Also registriere ich mich halt (nur zu Versuchszwecken, ich will ja nichts kommentieren). Registrieren funktioniert, das Bestätigungsmail kommt sofort, der Aktivierungslink tut auch, aber dann - nach dem Einloggen zum Kommentieren im Blog - folgt die Ermahnung: "Die Adressdaten in deinem Nutzerprofil sind unvollständig. Bitte fülle sie vollständig aus: Erst dann kannst du einen Kommentar schreiben."

Dass ich hier ungefragt geduzt werde, ist offenbar Fussballer-Art. Nicht so schlimm. Ich gebe auf meiner Profilseite also (widerwillig) den echten Namen, Vornamen, Adresse, Wohnort und das Geburtsdatum an. Jetzt darf ich kommentieren. Das finde ich massiv übertrieben. Und es würde mich nicht erstaunen, wenn man auf diesem "Blog" kaum Kommentare finden wird.

Zur Diskussion zu diesem Thema schaut man natürlich gerne beim Runden Leder vorbei: Interessante Innovation. In dieselbe Kerbe haut auch Andi Jacomet: Euro 08: Was die Stadt Bern unter einem Blog versteht.

27. Juni 2007

Hypertext im Restaurant

Der Ausdruck Food-Moduling ist natürlich grässlich, aber die Sache ist typisch im Zeitalter des selbstbestimmenden Konsumenten: Dem Gast im Restaurant sollen auf der Speisekarte nicht mehr fixfertige Menus vorgeschlagen werden, sondern der Gast soll sich sein Menu aus verschiedenen Portionen (Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Suppe - Module eben) in den gewünschten Mengen und Kombinationen und Abfolge selber zusammenstellen.

Damit hat das alte Sender-Empfänger-Modell auch in der Gastronomie ausgedient: Jetzt ist der Gast wirklich König. Nicht mehr der Koch sagt, was man essen soll, sondern der Gast bestimmt, was auf den Teller kommt. Man ersetze Koch durch Absender und Gast durch Empfänger, und man erkennt die Parallele zum Paradigmawechsel in der Kommunikation.

Quelle: DRS Sendung Espresso vom 27. Juni 2007 und Medienmitteilung Gastrosuisse.

Update vom 4. Juli 2007: Auf Medienspiegel greift Thomas Widmer von der Weltwoche dasselbe Thema auf und schreibt: "(...) vielleicht sollte die Schweizer Presse einmal über «newspaper moduling» nachdenken: über ihre eigene Flexibilisierung." (Quelle: Vom Modul)

26. Juni 2007

Neuauflage - unverändert

Wenigstens etwas beweist Guido Mingels: Dass das Internet ihn nicht verändert. Er legt seinen Text, der im Oktober 2005 für ziemlich Diskussionen gesorgt hat, (Irrtum vorbehalten) unverändert wieder auf: "Internet: Die Revolution, die keine war".

Unverändert derselbe Text zu einem Thema, das sich laufend entwickelt - wenn's nur zur Provokation ist, dann meinetwegen. Wenn's zur Dokumentation ist, auch gut. Wenn's ernst gemeint ist als Beitrag zur Diskussion rund um Online-Kommunikation, verstehe ich Sinn und Zweck dieser Wieder-Veröffentlichung nicht. Das Magazin selbst mit seinem tollen Webkonzept zeigt ja die Veränderungen, die das Internet auslöst.

Eine ausführliche Kritik dieses Vorgangs findet sich bei Medienlese von Peter Sennhauser.

PS. Am meisten ärgert mich, dass Peter Hogenkamp und ich damals diesen Text mit viel Aufwand und Rücksicht in das Forum übertrugen, weil die Texte des Magazins nirgends elektronisch zugänglich waren. Und heute ist alles frei zugänglich und kommentierbar.

19. Juni 2007

Die schönste 404-Fehlermeldung

Gefunden bei Greenpeace, z.B. mit dem Link auf diese nicht-existierende Seite.

Danke, Michèle.

18. Juni 2007

Von 1500 $ auf 0 in wenigen Wochen

Der Vorgang hat bisher wenig Echo gefunden, aber ich halte ihn für bemerkenswert: Information Architects Japan (Oliver Reichenstein, der das Magazin neu aufgesetzt hat) kündigten am 16. Februar eine Toolbox für die perfekte Website an: ein Wordpress-Template inkl. Design und Updates. Ich weiss nicht mehr genau wann, aber irgendwann im Mai wurde das Produkt "The ideal Wesite" lanciert, in drei Preisstufen, beginnend bei 1500 $ pro Jahr; die anderen Varianten boten mehr Möglichkeiten und mehr Service und waren deshalb teurer.

Mit selten gesehener Offenheit gesteht Reichenstein am 15. Juni ein: "Niemand kaufte unser Produkt. Deshalb beschlossen wir, es gratis abzugeben." Im Original:

"No one bought it. So what should we do? We decided to go open source. And you know what? It feels really good. In the long term it is going to make us more money. The best contracts we’ve had so far come from all the free content we give out."

Lesenswert: Realitycheck: What Works on the Web.

12. Juni 2007

Alles von nebenan

Es dürfte sich lohnen, dieses Projekt zu verfolgen (ebenfalls im Hinblick auf die Berner Medienlandschaft): EveryBlock ist ein Start-up von Adrian Holovaty, dem mehrfach preisgekrönten Online-Journalist.

"EveryBlock will be a Web site that aggregates an unprecedented depth of local news and information in select cities", heisst auf der Ankündigung.

Holovatys Ansatz für Online-Journalismus basiert weniger auf guten Stories als auf gut strukturierten, suchbaren und mehrfach verwendbaren Daten (siehe dazu Mehr Daten, weniger Stories). Das ist dem neuen Wiki-Ansatz des Tagesanzeiger-Magazins diametral entgegengesetzt.

Jeff Croft schreibt in einem Kommentar auf ein Post in Reichensteins Blog: "However, the idea of using wiki technology for news scares me to death. That goes aganist everything online journalism thought leaders (like Adrian Holovaty) have been preaching. In journalism, data needs to be stored in the most structured means possible. Wikis are, by definition, for storing unstructured data."

Ich bin zu wenig Techniker, um die Details zu verstehen, aber es dünkt mich, die beiden Konzepte sollten doch irgendwie kombiniert werden können.

11. Juni 2007

Die Aufmerksamkeit ist begrenzt

Und noch hier ein Link, das könnte man auch noch verlinken, das könnte auch noch jemanden interessieren, vielleicht möchte jemand hier weiter klicken: Schnell hat man zu einem Artikel einige bis viele bis sehr viele Links zusammengestellt. Natürlich soll man grosszügig verlinken, auch nach aussen, aber irgendeinmal kommt der Moment, in dem man vor lauter Links den Faden verliert, sich nicht mehr entscheiden kann, sich verliert, das Wesentliche übersieht. Die Aufmerksamkeit ist begrenzt, die Beachtung, die man einer Seite widmet, ist begrenzt.

Die schiere Menge an Links beginnt den Benutzer zu überfordern. Jeder zusätzliche Link reduziert den Wert aller Links. Gefragt ist der redaktionelle Mut, die Menge zu reduzieren, die für die Mehrheit der Benutzer drei bis sieben relevanten Links zu setzen und sie so durch das Informationsangebot zu führen. Wenn man das zu engstirnig macht - und das wäre die Kehrseite dieses Mutes - , bevormundet man die Benutzer und enthält ihnen etwas vor.

Inspiriert von Gerry McGoverns The Economics of classification ("Everything that is added subtracts from what is already there, prompting the question: Has more been added than subtracted?"). Er bezieht sich dabei auf das Hinzufügen von neuen Rubriken, wodurch bestehende Rubriken in der Informationsarchitektur einer Site auf eine tiefere Ebene verschoben werden.

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