27. Juli 2007

Gut Ding will sehr viel Weil haben

Ich habe einem sehr bekannten und von mir bevorzugten Schweizer Online-Map-Service ein Mail geschickt, um eine falsche Position zu melden. Keine Antwort. Zwei Tage später habe ich ein Erinnerungsmail geschrieben. Keine Antwort. Drei Tage später habe ich schweren Herzens auf einen anderen Online-Map-Dienst verlinkt, der die gewünschte Position korrekt anzeigt. In einem Mail habe ich dies meinem bevorzugten Online-Map-Service gemeldet.

9 Tage nach dem Erinnerungsmail erhalte ich doch noch eine Antwort:

"Bitte entschuldigen Sie die lange Bearbeitungszeit Ihrer E-Mail.

Ich nehme an Sie möchten das (folgt Gebäudename) verlinken. Sie finden die korrekte Position über den Telefonbucheintrag (folgt Link auf den Eintrag); jedoch heisst die Strasse fälschlicherweise (folgt der falsche geschriebene Strassenname) anstatt (folgt der richtig geschrieben Strassenname).

Diesen Fehler leiten wir an unsere Datenlieferanten weiter, um den Strassennamen zu korrigieren. Ich möchte Sie jedoch um etwas Geduld bitten, diese Änderung läuft in einem Mutationsprozess der bis zu 6 Monaten dauern kann." (Fett-Hervorhebung von mir)

So viel Geduld habe ich nicht.

16. Oktober 2006

Die feine Nuance beim Content Management

"When most of us think (or talk, or read) about content management we are quick to associate it with a specific technology - the CMS. That, my friends, is our first, and probably our biggest, mistake. 'CMS' should in no way define content management."

Diese feine Nuance steht bei D. Keith Robinsons Artikel "Redefining content management" im Vordergrund. Er schreibt, beim Content Management gehe es - in dieser Reihenfolge - um Content, um Leute, um Arbeitsabläufe und - zu guter Letzt - auch noch um Technologie.

Diese Erkenntnis ist nicht mehr ganz taufrisch, aber immer noch sehr aktuell. Sie wird immer wieder ignoriert, indem z.B.:

  • die CMS-Benutzer nur technisch, aber nicht redaktionell geschult werden;
  • der Inhalt so zurecht gebogen wird, dass er gut ins CMS passt;
  • die Prozesse beim Webpublishing nicht zu den bestehenden Abläufen einer Organisation passen;
  • vor lauter Funktionalität, Tricks, Tipps und Workarounds die Botschaft auf der Strecke bleibt;
  • die Emotionen bei der Bedienung des CMS hoch gehen, aber dafür beim Lesen des Content niemand warm wird.

Ich glaube aber auch nicht, dass man Riesenprojekte starten muss, in denen man zuerst alle Inhalte, die Prozesse und die Organisation bis ins hinterste Detail kennen muss, um das geeignete CMS zu finden. Das kommt nur daher, dass es leider immer noch viel zu viele CMS gibt, die alle vorgeben, einzigartig zu sein. Natürlich gibt es verschiedene Kategorien und (Preis)-Klassen von CMS, aber man kann mit vielen verschiedenen CMS dieselbe gute Website machen.

06. September 2006

Wer schreibt Wikipedia? Oder wie organisiert man eine Riesenredaktion?

Im Orginal: "Who Writes Wikipedia?" von Aaron Swartz.

Um das überraschende Ergebnis zu verstehen, eine Vorbemerkung: Man muss unterscheiden zwischen Schreiben im Sinn von Überarbeiten-Redigieren ("edit" auf englisch), also korrigieren, formatieren, umschreiben, umstellen und Schreiben im Sinn von Kreieren ("add content" in diesem Artikel). Das Ergebnis:

  • 1400 Leute haben rund 75 % aller redaktionellen Überarbeitungen (Edits) gemacht. Diese Leute bilden die so genannte Wikipedia-Community, der harte Kern.
  • Interessanterweise haben diese Leute aber kaum Inhalte geschaffen. Die Leute, die Inhalte neu geschrieben haben, sind Aussenseiter, wie Swartz sie nennt. Sie haben nur ganz selten bei der Wikipedia mitgemacht, aber wenn sie mitgemacht haben, haben sie Substanz hineingebracht.

In Swartz' Worten: "When you put it all together, the story become clear: an outsider makes one edit to add a chunk of information, then insiders make several edits tweaking and reformatting it. (...) Other encyclopedias work similarly, just on a much smaller scale: a large group of people write articles on topics they know well, while a small staff formats them into a single work."

Polemisch könnte man nun als Schlussfolgerung für die eine oder andere Gruppe Partei ergreifen und eine Huhn-Ei-Diskussion lostreten: Ohne die Aussenseiter (Contributors) gäbe es keine wertvollen Inhalte. Richtig. Ohne die Insider (Formatters) wären die Inhalte dere Wikipedia chaotisch, inkonsistent, unstrukturiert. Auch richtig. Swartz ergreift tendenziell Partei für die Aussenseiter ("The formatters aid the contributors, not the other way around"), was ich für falsch halte.

Die Ergebnisse von Swartz lassen sich nach meiner Erfahrung auf alle grösseren Organisationen übertragen, die mit einem CMS eine grössere Website produzieren. Dort stellt sich immer die Frage, wie dezentral-zentral die Bewirtschaftung organisiert werden soll:

  • Je dezentraler, umso chaotischer wird die Website, dafür wird es umso einfacher für Spezialisten, ihr Wissen zu publizieren.
  • Je zentraler, umso konsistenter die Website, dafür wird der Aufwand zur Wissensbeschaffung in der kleinen Zentralredaktion umso grösser.

Die Frage muss jede Organisation selbst beantworten, und erst die Erfahrung zeigt, ob man sich richtig organisiert hat.

21. Dezember 2005

Tipps für Content-Migration

An und zu ist eine Content-Migration leider einfach unausweichlich. (Auch wenn man versucht, die Entwicklung seiner Site als langfristigen Prozess und nicht als Abfolge von kurzfristigen Projekten zu gestalten.) Für diesen Fall hat Chiara Fox auf Adaptive Path einen nützlichen 10-Punkte-Führer publiziert unter dem etwas hochgestochenen Titel "Ten Strategies for Content Migration" (Umfang nur 10 Seiten, Kosten immerhin 20 US-$: wenn man für 10 Seiten so viel Geld ausgibt, nimmt man sich die Anregungen von Chiara Fox eher zu Herzen als wenn der Führer gratis wäre; insofern lohnt es sich). Die Publikationen richtet sich an Content-Leute, nicht an Techniker oder Designer.

06. November 2005

Konvergenz in Schweizer Medienverlagen

Die Nachricht, dass die New York Times den Newsroom von Online und Print zusammenlegen will, war im August 2005 eine vielbeachtete und diskutierte Meldung. Pionierarbeit in diesem Bereich wird aber auch in der Schweiz geleistet.

Wie Christoph J. Walther im Media Trend Journal darlegt (Medienkonvergenz in der Schweiz: West-Ost-Gefälle), ist in der Schweiz insbesondere die Edipresse bezüglich Medienkonvergenz führend. Die Edipresse arbeitet seit 2003 an der Zusammenlegung des Newsrooms für Online und Print für alle Produkte (24 Heures, Le Matin, Tribune de Genève). Der Anfang sei sehr schwierig gewesen; nach sechs Monaten Praxiserfahrung sei man nun aber bereits an der Optimierung der Prozesse.

Auch die Espace Group plant in den Räumen des ehemaligen Druckzentrums am Nordring einen multimedialen Newsroom für Online, Print, TV und Radio.

Je weiter man nach Osten geht, um so mehr dominiert Skepsis und Zurückhaltung gegenüber einer engeren Zusammenarbeit der verschiedenen Medien, legt Walther dar.

(via Medienspiegel: Konvergenz und Leserpartizipation vom 06.11.2005 mit einer guten Zusammenfassung des Artikels)

04. Oktober 2005

Tolle Schreibwerkzeuge für Teams

Jeffrey Zeldman propagiert am 3. Oktober in seinem Blog das Writeboard. Mich dünkt Writely in den Funktionen noch umfangreicher und deshalb nützlicher.

Gemeinsam ist beiden Tools, dass ein Team gemeinsam an einem Text arbeiten kann, und das kostenlos. Nicht schlecht. "Klassische" Web 2.0-Tools.

05. September 2005

Allen recht getan, ist eine Kunst, die auch das Web nicht kann

Gerry McGoverns Kolumne New Thinking ist inhaltlich nicht extrem innovativ. Gerry hat aber die Begabung, anschaulich und gut verständlich eine (Binsen)-Wahrheit als grosse Wahrheit darzustellen. Und solange diese (Binsen)-Wahrheiten ignoriert werden, hat er recht mit dieser Methode (sie lässt sich offenbar ja auch gut verkaufen).

Als Beispiel dazu die neuste Kolumne: Web Manager: You can't serve everybody. Das hat auch nie jemand behauptet, aber allzu oft meint man, mit einer Website alle Fliegen auf einen Streich zu erlegen. Viele Webprojekte haben tatsächlich zu viele Zielgruppen im Visier: die Öffentlichkeit, die Politiker, die Journalisten, die Kunden, die Mitglieder, womöglich noch die Mitarbeiter. Das kommt selten gut.

22. August 2005

Webcontent: Qualität statt Quantität

Eigentlich banal und vor allem nicht neu, was Gerry McGovern in "Quality, not Quantity: Delivering Value from Web Content" schreibt, aber trotzdem richtig und vor allem sehr selten praktiziert: Weil's so einfach ist und so schnell geht, wird zu viel Inhalt in zu schlechter Qualität aufs Internet publiziert, und wenn der Inhalt mal publiziert ist, bleibt er auf dem Liveserver, bis er vergessen ist und vor sich hinfault.

Es ist schon selten genug, dass eine Organisation einen sauberen Publikationsprozess hat; noch seltener ist es, wenn man einen Prozess zur Überprüfung schon publizierter Inhalte hat.

Das Beispiel, das Gerry McGovern erwähnt, dürfte eine Riesenausnahme sein: "When I was with University of California, Los Angeles recently, I was told about a particular intranet that held scientific content. This had a team of 20 people who spent 20 percent of their week publishing new content and 80 percent reviewing old."

03. August 2005

Online und Print in einem Newsroom

Diverse Quellen berichten heute, dass die New York Times ihren Online- und Print-Newsroom zusammenlegen; die Belegschaft wurde in einem internen Memo darüber informiert. "By integrating the newsrooms we plan to diminish and eventually eliminate the difference between newspaper journalists and Web journalists", heisst es darin.

Andere Quellen, die über diese Integration berichten:

Als ich im Frühling 2000 als frisch gebackener Internet Journalist aus San Francisco nach Bern zurückkehrte und der NASDAQ unaufhaltsam in die Höhe kletterte, war die Idee eines gemeinsamen crossmedialen Multimedia-Newsroom weit verbreitet. Swisscontent war meines Wissens eine der einzigen Firmen, die das konsequent umzusetzen versuchte. Auch bei meinem damaligen Arbeitgeber Schweizer Bauer versuchten wir über die Grenzen des Mediums hinweg zusammenzuarbeiten. Die Dotcom-Krise hat viele solche Pläne und Visionen wieder abgewürgt. Jetzt leben sie - zum Glück  - wieder auf, wie das Beispiel der NYT zeigt.

Update vom 12.08.2005: Ausführlicher Bericht und Interview mit den Verantwortlichen der NYT von Mark Glaser in der Online Journalism Review: NY Times explodes wall between print, Web.

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