25. Juli 2007

NZZ-Online: altes Layout noch zugänglich und Site-Suche fehlerhaft

Bei NZZ Online sind noch Seiten im alten Layout zugänglich unter der URL http://l036sys0.nzz.ch/index.html. Komischerweise ist das Datum von heute, 25. Juli.
Nzz_alt

Einige der Links auf dieser Seite funktionieren noch (z.B. der hier auf http://l036sys0.nzz.ch/2007/07/06/wi/newzzF3S50F4Y-12.html).
Nzz1_alt

Andere ergeben eine Fehlermeldung (z.B. der hier auf http://l036sys0.nzz.ch/2007/07/06/al/newzzF3SYDFNW-12.html).
Nzz_fehler

Offenbar ist die Umstellung aufs neue Layout noch nicht ganz ausgestanden.

Ich habe versucht herauszufinden, ob diese alten Seiten gleichzeitig auch im neuen Layout erscheinen. Dabei bin ich auf einen weiteren Fehler gestossen. Ich habe auf der neuen NZZ-Site nach dem Titel des Artikels "Spekulationen nach Chefwechsel bei der UBS" (des Artikels, der im alten Layout unter http://l036sys0.nzz.ch/2007/07/06/wi/newzzF3S50F4Y-12.html zugänglich ist) gesucht. Den Titel habe ich ohne Anführungszeichen eingegeben. Als Ergebnis erhalte ich folgende Seite:

Nzz_search_result

Angeblich 477'000 Treffer für die Suche nach "Spekulationen nach Chefwechsel bei der UBS", aber die Suchergebnisse haben rein gar nichts mit diesem Thema zu tun. Die Suchergebnisse scheinen vielmehr eine chronologische Auflistung der Artikel der letzten Tage zu sein. Offenbar verknüpft die Suche mehrere Suchbegriffe mit Oder statt mit Und - im Google-Zeitalter ein Fehler, weil die stillschweigende Erwartung bei einer Mehrbegriff-Suche eine Und-Verknüpfung ist.

Danke, Oliver, für den Hinweis. 

16. Juli 2007

ETH Life in neuem Kleid

Seit heute erscheint ETH Life in einem neuen Design. Die "tägliche Webzeitung der ETH Zürich", wie sie sich früher genannt hat, ist eine jener Sites, die ich seit Jahren ab und zu lese und deren täglichen Newsletter (bis zuletzt im klasssichen Text-only-Format) ich immer überfliege und manchmal etwas anklicke. ETH Life erschien in einem zweispaltigen Layout mit Fussnoten - zwei Dinge, die man im Webdesign eigentlich nicht machen sollte, aber man gewöhnt sich auch daran, wenn die Inhalte gut sind.

Heute morgen also der erste neue Newsletter: statt zwei bis drei Themen sind es acht Themen, zu viel, um alle zu lesen. Verwirrend die URLs der Form http://vwcms-003.ethz.ch:8090/ethlife/ETH/...

Im Editorial zur Neugestaltung erläutert die neue ETH-Kommunikationschefin Verena Schmid Bagdasarjanz das Konzept: "Das neue ETH Life ist mehr als neues Design im Sinn des äusseren Erscheinungsbildes. Es ist eine Weichenstellung hin zu einer integrierten Online-Kommunikation für die ETH Zürich." Ähnlich schwammig, umständlich und nicht-webgerecht geht der Text mit dem Titel Plattform zur Profilierung und zum Dialog (Fleschindex: 22) weiter. Irgendetwas wird neu, das habe ich begriffen, aber was genau und warum, das geht in den komplizierten und theoretischen Formulierungen unter.

Positiv ist, dass für die einzelnen Rubriken RSS-Feeds angeboten werden (wobei das Abonnieren nur mittels URL-Kopieren funktioniert). Komisch, dass auf einer Rubriken-Einstiegsseite (z.B. bei der Rubrik Science)  oben in der Mitte ein zweites Suchfenster erscheint - das übliche Suchfenster oben rechts hätte mir eigentlich genügt (siehe Screenshot).

Ethlifesuchfenster

Auf der Homepage linkt das ETH-Life-Logo auf die Homepage - ein Fehler, der offenbar nicht auszumerzen ist. Wenig hilfreich ist die magere Navigation, die nicht inhaltlich aufgebaut ist.

Ethlifenavi

Und da es auch sonst keine Rubriken und keine Verschlagwortung gibt (z.B. im Sinne einer Tag-Wolke), habe ich keine Ahnung, wie man hier etwas zu einem bestimmten Thema findet. Zumal die Suche auf ETH Life eine implementierte Google-Suche über alle ETH-Sites ist, was beim ersten Mal sehr verwirrt.

ETH Life läuft auf Zope und Silva, einem Produkt einer holländischen Firma Infrae.

Trotz allem: Ich werde ETH Life treu bleiben, um die weitere Entwicklung nicht zu verpassen.

06. Juli 2007

NZZ mit neuem Design und Layout

Surprise, surprise: Meine bevorzugte News-Site NZZ Online sieht heute abend plötzlich ganz anders aus. Ein paar erste Eindrücke und Bemerkungen:

Navigation

Die vertikale Hauptnavigation wird auf horizontal umgestellt - ein "Trend", der schon vor ein paar Jahren eingesetzt hat mit der New York Times, Wired News, dann Spiegel Online usw. usf.. Die horizontale Navigation gibt mehr Raum in der Breite. Aber: genau dieser Raumgewinn wird nicht genutzt, indem auf jeder einzelnen Artikelseite nur Titel, Lead, Bild und Toolbox links an den Bildschirmrand anschliessen, die Textspalte aber nicht. Dort, wo früher die Navigation war, ist nun weiss.
Nzz_artikel

Ausklapp-Menus:

Wegen der horizontale Navigation braucht es nach unten ausklappbare Menus, was ich persönlich nicht schätze. Ausklapp-Menus stellen meiner Meinung nach zu hohe Anforderungen an die Feinmotorik bei der Maus-Bewegung (siehe Bild unten).
Navi_ie_nzz_3
Ausserdem funktionieren sie (bei Firefox) nicht, wenn ich Javascript desaktiviert habe (siehe Bild unten).
Navi_firefox_nzz
Ich zweifle, ob diese Navigation barrierefrei ist.

Kommentare:

Toll: Jeder Artikel ist ohne grossen Aufwand kommentierbar.

URLs

Die neuen URLs sind sprechender als die alten. Die alten URLs folgten der Logik www.nzz.ch/jahr/monat/tag/ressort/zufallsnummer. Die neuen URLs sind aufgebaut nach dem Schema www.nzz.ch/ressort/unterressort/stichwort_zufallsnummer. Und noch schöner: alle alten URLs funktionieren noch, wie ein XENU-Test mit meinem Blog vorhin soeben ergeben hat.

Schriftgrösse

Eindeutig zu klein. Aber sie lässt sich vergrössern, wenn auch nur übers Browsermenu und nicht über die schon fast Standard gewordenen A+ irgendwo in der rechten oberen Ecke.

Erstes Fazit: ein primär gestalerisch motivierte Überarbeitung der Site. Ich sehe auf den ersten und zweiten Blick keine neuen Inhalte und - ausser der Kommentarfunktion - keine neuen publizistischen Konzepte. Hier war das Magazin eindeutig mutiger.

Die Sicht der NZZ: NZZ Online mit neuem Gesicht

02. Juni 2007

Die abnehmende Bedeutung der Homepage

Is the home page worthless? fragt Mindy McAdams. Und Seth Godin meint:  Blow up your homepage! Jeff Jarvis dazu: Beyond the home page.

Zu diesem Thema gibt es auch einen Beitrag von Jared Spool von 2005: Is Home Page Design Relevant Anymore?

Gemeint ist hier die Startseite einer Website (nicht die Homepage, wie sie in der Schweiz landläufig synonym gebraucht wird für die ganze Website).

Warum verliert die Startseite an Bedeutung?

  1. Die Vorstellung, dass die Leute die Startseite einer Website besuchen und von dort aus weiterklicken, ist möglicherweise bald veraltet. Die Leute besuchen gar keine Sites mehr, sie lesen nur noch Feeds. Sie lassen die Inhalte einer Site in Form von Feeds zu sich kommen, sie abonnieren die Inhalte, und sie stellen diese Inhalte dar in einem RSS-Reader oder auf einer Seite, die aus lauter Modulen besteht, in denen diese abonnierten Inhalte dargestellt werden (in ihrem Design).
  2. Andersrum die so genannten Landing Pages, die Seiten, die in einer Kampagne gezielt dafür gemacht werden, um die Besucher zum Kaufen oder sonst zu einer Tat (Anmeldung für einen Newsletter, Download eines Tutorials, Registieren für ein Konto usw.) zu motivieren. Diese Seiten dienen meist genau nur einem einzigen Zweck: der Konversion. Auf einer Website kann es viele solche Landing Pages haben. Aber die Homepage ist ganz sicher keine Landing Page, weil sie multifunktional und unspezifisch ist.
  3. Der dritte Grund für die abnehmende Bedeutung der Startseiten sind die Suchmaschinen. Man benutzt Suchmaschinen ja gerade deswegen, um möglichst direkt zum gesuchten Inhalt zu kommen. Die Homepage wäre da nur ein Umweg. Sie hilft selten beim Auffinden eines bestimmten Inhalts - je spezifischer der Inhalt ist, um so weniger.

Jakob Nielsens "Homepage Usability" von 2001 kommt einem da nicht mehr ganz zeitgemäss vor: ""The homepage is the most important page on any website", heisst es im Vorwort.

22. April 2007

Wie einfach darf's denn sein auf dem Web?

Nun hat auch noch Gerry McGovern in die Simplicity-Diskussion eingegriffen (Why simplicity is essential to web design vom 16. April 2007). Er bezieht sich dabei auf Don Norman (Simplicity Is Highly Overrated) und Joshua Porter (Simplicity: The Ultimate Sophistication mit einer Zusammenstellung zahlreicher anderer Beiträge zum Thema).

Ich beteilige mich nicht an dieser Design-Diskussion. Erwähnenswert finde ich aber die Unterschiede, die Gerry McGovern zwischen einem Produkt und einer Website macht und warum eine Website einfach sein muss.

Warum kaufen Leute gerne komplizierte Produkte mit vielen Features? McGovern nennt drei Gründe:

  • Wenn das Produkt kompliziert ist, muss es viel können. Also ist es mir mehr wert. (Höhere Anmutung.)
  • Mit einem komplizierten Produkt mache ich anderen Leute gerne Eindruck. (Prestigegewinn.)
  • Auch wenn ich viele Features jetzt noch nicht brauche kann, könnte es sein, dass ich sie später brauche (Versicherung).

Genau diese Motive gelten für eine Website nicht, sagt McGovern.

  • Wenn eine Website nach mehr aussieht als sie in Wirklichkeit ist, habe ich keinen Nutzen davon, denn ihre Benutzung kostet mich mehr Zeit.
  • Die Website benutze ich allein vor dem Computer. Ich gewinne kein Prestige, wenn ich eine komplizierte Website benutze, weil das gar niemand merkt.
  • Die Website benutze ich jetzt, weil ich jetzt etwas brauche; irgendwelche Versprechen für die Zukunft nützen mir nichts.

Natürlich gibt es verschiedene Verhaltensweisen auf dem Internet. Das oben beschriebene Verhalten ist aber eines der häufigsten: Ich suche etwas, will etwas erledigen; dabei bin ich allein, habe keine Zeit und will möglichst rasch ein Ergebnis. In dieser Situation werde ich eine einfache Website einer komplizierten vorziehen.

Daneben gibt es auch andere Verhaltensweisen, wie John Rhodes richtig erwähnt: "People love to spend time at entertainment web sites."

Wichtig dünkt mich: Es kommt sehr darauf an, was man unter "einfach" versteht. Einfach heisst nicht banal oder gar hässlich, sondern einfach heisst elegant, klar, eindeutig, übersichtlich.

19. März 2007

Das neue Design von Wired News: vorerst nur auf der Homepage

Wired News überrascht mit einem neuen Layout und Design. Ziemlich krass: Riesenschriften, Riesenbilder, praktisch keine Navigation mehr, Mehrspaltigkeit, Serifenschrift, Links nicht als Links erkennbar: da wurden so einige der gängigen Regeln verletzt. Natürlich extra, Wired News ist schliesslich ein Pionier.

Die Leserreaktionen sollen überwiegend positiv sein, weshalb Wired News vor allem die wenigen negativen Reaktionen publiziert.

Wenn man auf einen Artikel oder auf eine Hauptrubrik klickt, wird das Erscheinungsbild traditioneller, also gewohnter. Es hat wieder ein horizontale Hauptnavigation, die Schrift ist immer noch Verdana, die Titel sind als Blue-underlined-Links gestaltet. Offenbar wurde bisher nur die Startseite neu gestaltet. Mal schauen, ob sich das Homepage-Design auch auf Artikelseiten fortpflanzt. Homepage und Storypage passen momentan nicht so ganz zusammen.

29. Januar 2007

F-Schema bestätigt

Eine neue Studie des Software Usability Research Laboratory (SURL) an der Wichita State University (Kansas) (Eye Gaze  Patterns while Searching vs. Browsing a Website) hat das sogenannte F-Schema beim Lesen von Webseiten erhärtet.

Das heisst: Die User schenken dem Inhalt oben links auf einer Seite am meisten Aufmerksamkeit. Das stimmt vor allem für textlastige Seiten. Bei Seiten, die aus Produktbildchen bestehen, ist die Verteilung der Aufmerksamkeit ausgeglichener.

Kein Aufreger, diese Studie. Vgl. meinen früheren Beitrag Webseiten lesen nach dem F- oder Z-Schema?.

09. Januar 2007

Weissraum: die Wirkung des Nichts'

Weissraum ist mehr als die Abwesenheit von Etwas - nachzulesen in "Whitespace" auf A List Apart von Mark Boulton vom 9. Januar 2007. Die web-spezifischen Aspekte kommen etwas zu kurz, aber trotzdem lesenswert.

18. April 2006

Webseiten lesen nach dem F- oder Z-Schema?

Jakob Nielsen berichtet in seiner neusten Alertbox vom  17. April 2006  unter dem Titel F-Shaped Pattern For Reading Web Content über Ergebnisse von Eyetracking-Studies. Diese Ergebnisse basieren auf 232 Usern, die tausende von verschiedenen Websites angeschaut haben. (Die Alertbox enthält einem viele Ergebnisse vor und hat teilweise Anpreisungscharakter für teure Workshops.)

Als gemeinsamer Nenner hat sich gemäss Nielsen ein F-förmiger Verlauf der Augenbewegungen herausgestellt. Dave Nolan (textgoeshere) hat diesen Verlauf sehr anschaulich in einem Schema visualisiert.

Bei der Eyetracking Study 2004 des Poynter Instituts wurde dieselbe Untersuchung gemacht (Viewing Patterns for Homepages). Resultat: ein Z-förmiger Verkauf der Augenbewegungen. Daraus leitet die Studie eine Einteilung einer Website nach Prioritäten-Zonen ab.

(Randbemerkung: Wie man aufgrund der Heatmaps beider Untersuchungen auf eine so eindeutige Charakterisierung des Augenverlaufs kommt, hat wohl auch etwas mit Marketing für die Studien zu tun. Item.)

Also Z- oder F-Schema? Ich neige eher zur Suche nach Gemeinsamkeiten als zur Dramatisierung eines Expertenstreits. Z und F haben nämlich einiges gemeinsam:

  • Sie beginnen links oben.
  • Sie beginnen oben und enden unten.
  • Sie enthalten zwei parallele horizontale Linien, die von links nach rechts führen.

Diese Erkenntnis ist nun - zumindest für die westliche Kultur - nicht wahnsinnig erstaunlich. Die beiden Hauptbewegungen sind von links nach rechts und von oben nach unten.

Von herausragender Wichtigkeit - und das betonen beide Untersuchungen -  sind auf einer Webseite die obersten Titel und innerhalb eines Titels die ersten Begriffe.

  • Poynter: "The first few words may matter most."
  • Nielsen: "Users will read the third word on a line much less often than the first two words."

Insgesamt also nicht viel Neues: Auf einer Seite soll der wichtigste Inhalte 1. zuoberst platziert werden, und 2. schnell lesbar und gut verständlich sein. Die Leser möchten alles mühelos serviert erhalten.


05. April 2006

Navigation ist mehr als ein Wegweiser

"Web Navigation is about moving forward", behauptet Gerry McGovern am 2. April 2006. Navigation "is not to tell them where they have been, or where they could have gone." Er macht dann einen Vergleich, dass man, nachdem man sich an einer Kreuzung mit zwei Wegweisern nach Boston und nach New York für den Weg nach New York entschieden habe, nicht dauernd daran erinnert werden wolle, dass man auch nach Bostin hätte fahren können.

Ich liebe Vergleiche, aber man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Hier vergleicht McGovern einen Autofahrer, der nach New York will, mit einem User, der etwas auf einer Website will. Und dieser Vergleich ist etwas schief, denn der Autofahrer bewegt sich linear (von A nach B), während der User sich in einem nichtlinearen Medium bewegt.

Es ist ja grad der Witz einer Website, dass ich mich nicht von A nach B bewegen muss, sondern zwischen vielen Möglichkeiten auswählen kann. Natürlich gibt es "visual noise" und "information overload" in dem Sinne, dass zu viel (Navigation) manchmal schädlich sein kann. Und welcher Websitebetreiber ist schon so weise, dass er weiss, was seine User wollen, so dass er ihnen gewisse Möglichkeiten vorenthalten will?

(Vielleicht ist es nur eine Frage des Masses, auch McGovern will die Globalnavigation nicht abschaffen.)

Interessanterweise schreibt Jakob Nielsen in seiner Alertbox Hyped Web Stories Are Irrelevant vom 3. April 2006 über Wikipedias Hypertext-Stil, der diesem rigorosen Navigationsregiment von McGovern widerspricht:
"The Wikipedia's most exciting aspect is that it's a highly interlinked hypertext. Most of the time, if you visit for one article, you end up reading five, because the richness of associative links lead you to more and more interesting information that you didn't even know you wanted. Sadly, the Web has generally lost its foundation as hypertext, and most sites offer only heavily regimented navigation that's tied into an official information architecture. Usually, there's little in the way of associative, "see also" links and local navigation. Wikipedia shows the benefits of reverting to the view of websites as hypertexts." (Hervorhebung von mir)

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