Gegen das blutleere Webtexten
Die wichtigsten Standardregeln zum Webtexten sind schnell aufgezählt:
- Punktlisten
- Zwischentitel
- Fetthervorhebung
- Kurze Abschnitte
- Kurze Texte
- Das Wichtigste zuerst
Webtexte, die nach diesen Regeln geschrieben werden, haben gewiss keine starke Ausstrahlung. Aber sie sind nützlich und brauchbar und erfüllen ihren Zweck, wenn es darum geht, etwas auf dem Web zu erledigen.
Solches Schreiben bezeichnet Amber Simmons als Anorexic Web Writing (anorexic = magersüchtig). Im übertragenen Sinn könnte man das auch als blutleer und seelenarm bezeichnen. Simmons' Artikel auf A List Apart ist eine gute Gelegenheit, sich wieder einmal Gedanken zu machen über diese Standardregeln des Webtextens und über die uralte Frage, wie lang ein Text auf dem Web sein darf.
Update: Beim Aufräumen einen Ausdruck des Artikels "Resurrect Your Writing, Redeem Your Soul" von Jennie Robinson gefunden. Zentrale Aussage: "Bad writing that has been “Webified” can look great on screen and to search engines, but to human beings, it’s still just bad writing. Applying the new rules of Web writing to muddled thoughts is a bit like hiding dirty hands in clean gloves."

Ich denke, man darf hier getrost zwischen Kunst und Handwerk unterscheiden. Natürlich sind künstlerisch wertvolle Texte allemal besser, aber die meisten Websites werden nun mal nicht von KünstlerInnen unterhalten. Und da ist dann solides Handwerk vermutlich der bessere Ansat als amateurhafte Künstlerallüren.
Kommentiert von: Matthias | 04. August 2007 um 22:22 Uhr
Die Grundregel, die ich beim Schreiben von Webtexten einhalte, lautet: «Der Text ist dann zu lang, wenn er langweilig wird». Natürlich tritt der Moment der Langeweile bei jedem Leser zu einem anderen Zeitpunkt ein. In diesem Sinne kommt dann nicht das Wichtigste zuerst, sondern das, was die meisten noch interessant finden.
Daraus ergibt sich eine Schreibe, die unweigerlich mit «Cliffhangers» arbeitet, um den Leser möglichst lange bei der Stange zu halten.
Grundsätzlich bin ich aber gleicher Meinung, die meisten Webtexte sind schlicht blutleere Wolhülsengefechte, die lediglich den Menüpunkt rechtfertigen unter dem sie erscheinen.
Kommentiert von: Stefan Gilgen | 06. August 2007 um 08:15 Uhr