20. August 2007

Wie man PDFs richtig verlinkt

Beim Smiley Cat Web Design Blog läuft eine interessante Diskussion (an der ich mich auch beteiligt habe) über die Verlinkung von PDFs sowie anderen Dateitypen.

Die Fragen sind:

  1. Gibt man die Information zum Dateityp und zur Dateigrösse innerhalb oder ausserhalb des Links an?
  2. Wie gibt man den Dateityp am besten an bei Word-, Excel- und anderen Dateien? Ist die Abkürzung  doc oder xls analog zu PDF verständlich?
  3. Braucht es ein Icon zum Link?

Und meine Antwort ist:

  1. Ausserhalb: Linkbezeichnung (pdf, 320kb)
  2. Je nach Zielpublikum: doc und xls sind analog zu pdf am logischsten, aber nicht für jedes Zielpublikum verständlich.
  3. Kein Icon: Es lenkt zu stark ab vom Inhalt der Linkbezeichnung.

Im Zentrum steht die optimale Lesbarkeit der Linkbezeichnung für den scannenden Leser. Alles andere (Dateigrösse und -typ) ist nützlich, aber zweitrangig neben der Linkbezeichnung.

14. August 2007

Mehr Content, weniger Kommunikation? Wohl kaum!

Die Meldung im heutigen Netzticker vom 14. August 2007 "Rolle des Internets verschiebt sich von Kommunikation zu Content" habe ich natürlich angeklickt.

Die Online Publishers Association (OPA) hat untersucht, wieviel Zeit die User mit Suche (Search), Inhalt (Visiting Content), Einkaufen (Commerce) und Kommunikation (Communications) verbringen; verglichen wurden die Jahre 2003 und 2007 (Ergebnis der Studie, Medienmitteilung der OPA).

Ergebnis:

  • Suchen und Einkaufen sind stabil.
  • Inhalt nimmt zu (von 34 auf 47 % der verbrachten Online-Zeit).
  • Kommunikation nimmt ab (von 46 auf 33 %).

Hätten Sie das geglaubt? Im Zeitalter von Web2.0, dem Social Web, dem Networking, soll die Kommunikation abnehmen? Ich hab's nicht geglaubt. Tatsächlich scheint mir der Titel der News sehr irreführend, denn diese Ergebnisse sind nur zustande gekommen, weil Kommunikation und Inhalt falsch definiert werden.

Zu Kommunikation gehören gemäss OPA Instant Messaging (IM) und Email. Dafür wird relativ weniger Zeit verwendet. Für Content wird relativ mehr Zeit verwendet: für die Informationssuche, die News, das Wetter, die Sportresultate, die Videos. Nun hat aber in den letzten Jahren ein starker Trend eingesetzt, dass man nicht mehr über Email, sondern über Websites miteinander kommuniziert: via Social Networking Sites, via Wikis, via Blogs und RSS. Diese Art der Kommunikation hat zum Teil IM und Email ersetzt.

Deswegen zu sagen, die Kommunikation habe abgenommen, ist irreführend. Wenn man diese Art Sites nur als Inhalt und nicht auch als Kommunikation versteht, hat man den Charakter und den Zweck dieser Sites nicht verstanden.

Absolut betrachtet haben alle vier Bereiche (Suche, Einkaufen, Inhalt, Kommunikation) stark zugelegt.

13. August 2007

Ferienlektüre: Alex Capus entdeckt

Off topic, aber ich möchte doch die Bücher von Alex Capus empfehlen. Ich habe diesen Schriftsteller für mich neu entdeckt und in diesen Sommerferien Etliches von ihm gelesen. Endlich wieder einmal ein tolles Leseerlebnis!

04. August 2007

Gegen das blutleere Webtexten

Die wichtigsten Standardregeln zum Webtexten sind schnell aufgezählt:

  • Punktlisten
  • Zwischentitel
  • Fetthervorhebung
  • Kurze Abschnitte
  • Kurze Texte
  • Das Wichtigste zuerst

Webtexte, die nach diesen Regeln geschrieben werden, haben gewiss keine starke Ausstrahlung. Aber sie sind nützlich und brauchbar und erfüllen ihren Zweck, wenn es darum geht, etwas auf dem Web zu erledigen.

Solches Schreiben bezeichnet Amber Simmons als Anorexic Web Writing (anorexic = magersüchtig). Im übertragenen Sinn könnte man das auch als blutleer und seelenarm bezeichnen. Simmons' Artikel auf A List Apart ist eine gute Gelegenheit, sich wieder einmal Gedanken zu machen über diese Standardregeln des Webtextens und über die uralte Frage, wie lang ein Text auf dem Web sein darf.

Update: Beim Aufräumen einen Ausdruck des Artikels "Resurrect Your Writing, Redeem Your Soul" von Jennie Robinson gefunden. Zentrale Aussage: "Bad writing that has been “Webified” can look great on screen and to search engines, but to human beings, it’s still just bad writing. Applying the new rules of Web writing to muddled thoughts is a bit like hiding dirty hands in clean gloves."

27. Juli 2007

Gut Ding will sehr viel Weil haben

Ich habe einem sehr bekannten und von mir bevorzugten Schweizer Online-Map-Service ein Mail geschickt, um eine falsche Position zu melden. Keine Antwort. Zwei Tage später habe ich ein Erinnerungsmail geschrieben. Keine Antwort. Drei Tage später habe ich schweren Herzens auf einen anderen Online-Map-Dienst verlinkt, der die gewünschte Position korrekt anzeigt. In einem Mail habe ich dies meinem bevorzugten Online-Map-Service gemeldet.

9 Tage nach dem Erinnerungsmail erhalte ich doch noch eine Antwort:

"Bitte entschuldigen Sie die lange Bearbeitungszeit Ihrer E-Mail.

Ich nehme an Sie möchten das (folgt Gebäudename) verlinken. Sie finden die korrekte Position über den Telefonbucheintrag (folgt Link auf den Eintrag); jedoch heisst die Strasse fälschlicherweise (folgt der falsche geschriebene Strassenname) anstatt (folgt der richtig geschrieben Strassenname).

Diesen Fehler leiten wir an unsere Datenlieferanten weiter, um den Strassennamen zu korrigieren. Ich möchte Sie jedoch um etwas Geduld bitten, diese Änderung läuft in einem Mutationsprozess der bis zu 6 Monaten dauern kann." (Fett-Hervorhebung von mir)

So viel Geduld habe ich nicht.

25. Juli 2007

NZZ-Online: altes Layout noch zugänglich und Site-Suche fehlerhaft

Bei NZZ Online sind noch Seiten im alten Layout zugänglich unter der URL http://l036sys0.nzz.ch/index.html. Komischerweise ist das Datum von heute, 25. Juli.
Nzz_alt

Einige der Links auf dieser Seite funktionieren noch (z.B. der hier auf http://l036sys0.nzz.ch/2007/07/06/wi/newzzF3S50F4Y-12.html).
Nzz1_alt

Andere ergeben eine Fehlermeldung (z.B. der hier auf http://l036sys0.nzz.ch/2007/07/06/al/newzzF3SYDFNW-12.html).
Nzz_fehler

Offenbar ist die Umstellung aufs neue Layout noch nicht ganz ausgestanden.

Ich habe versucht herauszufinden, ob diese alten Seiten gleichzeitig auch im neuen Layout erscheinen. Dabei bin ich auf einen weiteren Fehler gestossen. Ich habe auf der neuen NZZ-Site nach dem Titel des Artikels "Spekulationen nach Chefwechsel bei der UBS" (des Artikels, der im alten Layout unter http://l036sys0.nzz.ch/2007/07/06/wi/newzzF3S50F4Y-12.html zugänglich ist) gesucht. Den Titel habe ich ohne Anführungszeichen eingegeben. Als Ergebnis erhalte ich folgende Seite:

Nzz_search_result

Angeblich 477'000 Treffer für die Suche nach "Spekulationen nach Chefwechsel bei der UBS", aber die Suchergebnisse haben rein gar nichts mit diesem Thema zu tun. Die Suchergebnisse scheinen vielmehr eine chronologische Auflistung der Artikel der letzten Tage zu sein. Offenbar verknüpft die Suche mehrere Suchbegriffe mit Oder statt mit Und - im Google-Zeitalter ein Fehler, weil die stillschweigende Erwartung bei einer Mehrbegriff-Suche eine Und-Verknüpfung ist.

Danke, Oliver, für den Hinweis. 

24. Juli 2007

Keine Glaubensfrage: es wird gescrollt

Blasting the Myth of the Fold heisst der Artikel von Milissa Tarquini auf Boxes and Arrows, indem sie gegen den Mythos kämpft, dass die Benutzer nicht scrollen. Ein Thema, das in diesem Blog auch schon verschiedentlich behandelt wurde (siehe dazu Scrollen oder nicht scrollen, ... und Scrollen oder nicht scrollen, ein Evergreen).

Fazit, erhärtet durch Userdaten: Ja, die User scrollen. Und zwar mehrere hundert Pixel hinunter, wenn der Inhalt interessant genug ist.

Es spielt aber eine Rolle, was zuoberst auf einer Seite steht. Tarquini erwähnt:

  • Ziel und Absicht der Site
  • wichtigste Funktionen (Suchfunktionen, Abfragefunktionen, Fahrplanabfragen) sollten oben beginnen.

Und wer es bis zuunterst auf eine Seite geschafft hat, sollte nicht mit einer Standardfusszeile abserviert werden, sondern mit einem Kontext-relevanten Link oder mit einer Interaktivität belohnt werden.

18. Juli 2007

Auch Werner Luginbühl enttäuscht früh

Nicht nur Barbara Hayoz glaubt an den Frühstartbonus, auch Werner Luginbühl versucht sich auf diese Weise einen Sitz zu sichern - einen der beiden Ständeratssitze im Kanton Bern. Sein Plakat habe ich zwar bisher nur an einem Zaun an der Berner Bahnhofplatz-Baustelle gesehen (wild plakatiert?), dort laufen pro Tag aber immerhin einige tausend Leute vorbei. Auch dieses Plakat kommuniziert vor allem das URL www.werner-luginbuehl.ch.

Die Startseite der zweisprachigen Site besteht aus zwei grossformatigen Bildern, die sich im 5-Sekunden-Rhythmus abwechseln. Sichtbar ist Luginbühl einmal urban im Schwellenmätteli (Der Spruch dazu: "Ideen statt Ideologien") und einmal ländlich vor einer Bergkulisse ("Fortschritt baut auf Tradition".) Wenn man die Bildfunktion ausschaltet, ist alles weg: der Text der Startseite ist als Bild formatiert und deshalb ohne Bild und ohne Alt-Text unsichtbar. Dank des Title-Tags wird die Site trotzdem von Google gefunden. Glück gehabt.

Ansonsten kann man sich kurz fassen: Werner Luginbühl hat seine Wahlbroschüre ins Netz gestellt.

Was soviel heisst wie: (Auch) hier kann man als interessierter Bürger nichts machen. Man kann keinem Unterstützungskomitee beitreten, man kann nicht spenden, man kann nichts mitteilen, man kann nichts fragen, man kann nicht diskutieren, man kann keinen Newsletter bestellen, geschweige denn einen RSS-Feed abonniere - man darf einfach glauben und soll dann richtig wählen. Kommunikation von oben herab.

Zum selben Thema aus Basler Sicht: Tipps für unsere Wahlkämpfer (Arlesheim Reloaded, 18.07.2007).

Meine Liste der enttäuschenden Politiker-Sites wird immer länger. Ausgewählte Rückblenden:

Nützlicher Erfahrungsbericht von Crawford Kilian:  Fighting a Campaign Online (02.02.2006)

17. Juli 2007

Barbara Hayoz: früher Fehlstart

Nationalratswahlen sind im Oktober. Seit ein paar Tagen hängt aber bereits das erste Plakat (zumindest) in der Stadt Bern: Barbara Hayoz (Berner Gemeinderätin und FDP-Mitglied) will mit einem Frühstart offenbar die entscheidenden Stimmen holen. Das Plakat kommuniziert ausser dem Slogan "bärenstark" (in Anspielung auf die Geldsammelaktion für den neuen Bärenpark) und dem Konterfei von Barbara Hayoz nur noch ein URL: www.barbara-hayoz.ch. Was so viel heisst: Alles weitere unter dieser Adresse.

Also schaute ich dort mal vorbei.

Die Homepage ist dasselbe wie das Wahlplakat. Das ist falsch, denn ich bin auf die Website gegangen, weil ich das Plakat gesehen habe. Das Plakat hat seine angestrebte Wirkung gehabt, ich brauche nicht noch einmal davon überzeugt werden, das URL www.barbara-hayoz.ch einzutippen.

Die Website hat kaum Inhalte. Der Überraschungseffekt, den das Plakat auslöst, kann von der Website nicht ausgenutzt werden. Wer aus irgendwelchen Gründen die Website von Barbara Hayoz aufruft, um mehr zu erfahren, erfährt leider fast gar nichts - nicht einmal zum Vorzeigeprojekt Bärenpark. Der Profilierungsversuch scheitert.

Wofür Barbara Hayoz politisch steht, erfährt man nicht. In der Rubrik "Positionen" findet man einen Link auf Smartvote - aber nicht auf das Profil von Barbara Hayoz, sondern auf die Homepage.

Die Website ist Ein-Weg-Kommunikation der alten Schule. Das Interaktivste an der ganzen Site ist eine Email-Adresse. "Sagen Sie mir Ihre Meinung! Oder wo der Schuh drückt. Ich freue mich auf Ihren Brief – oder Ihr Mail." Ob Barbara Hayoz auch andere Kommunikationskanäle zulässt und/oder benutzt?

In der Berner Zeitung ist der Frühstart von Barbara Hayoz auch besprochen worden (Die Aufsteigerin ist früh am Start, 17.07.2007). Auch dort wird die Website von Barbara Hayoz als inhaltsarm bezeichnet. Politologe Werner Seitz, der den Frühstart als geschickten Schachzug bezeichnet, hält die fehlenden Inhalte auf der Website für einen "Schönheitsfehler". Damit konfrontiert, wird Barbara Hayoz wie folgt zitiert: "Ich bin froh, gibt es Verbesserungspotenzial. Nicht ist schlimmer als eine Homepage, auf der nichts passiert."

"You never get a second chance to make a first impression." Es ist eine Fehleinschätzung zu meinen, die Leute würden nun so alle zwei drei Tage vorbeischauen und sich an der Verbesserungen und am Geschehen auf der Website erfreuen. Diese früher Kampagnen-Fehlstart produziert vor allem enttäuschte Wähler.

In meiner Einschätzung ist dieser Plakataushang also eher ein früher Fehlstart als ein geschickter Schachzug. Ob es nur ein Schönheitsfehler war, werden die Wahlen zeigen.

16. Juli 2007

ETH Life in neuem Kleid

Seit heute erscheint ETH Life in einem neuen Design. Die "tägliche Webzeitung der ETH Zürich", wie sie sich früher genannt hat, ist eine jener Sites, die ich seit Jahren ab und zu lese und deren täglichen Newsletter (bis zuletzt im klasssichen Text-only-Format) ich immer überfliege und manchmal etwas anklicke. ETH Life erschien in einem zweispaltigen Layout mit Fussnoten - zwei Dinge, die man im Webdesign eigentlich nicht machen sollte, aber man gewöhnt sich auch daran, wenn die Inhalte gut sind.

Heute morgen also der erste neue Newsletter: statt zwei bis drei Themen sind es acht Themen, zu viel, um alle zu lesen. Verwirrend die URLs der Form http://vwcms-003.ethz.ch:8090/ethlife/ETH/...

Im Editorial zur Neugestaltung erläutert die neue ETH-Kommunikationschefin Verena Schmid Bagdasarjanz das Konzept: "Das neue ETH Life ist mehr als neues Design im Sinn des äusseren Erscheinungsbildes. Es ist eine Weichenstellung hin zu einer integrierten Online-Kommunikation für die ETH Zürich." Ähnlich schwammig, umständlich und nicht-webgerecht geht der Text mit dem Titel Plattform zur Profilierung und zum Dialog (Fleschindex: 22) weiter. Irgendetwas wird neu, das habe ich begriffen, aber was genau und warum, das geht in den komplizierten und theoretischen Formulierungen unter.

Positiv ist, dass für die einzelnen Rubriken RSS-Feeds angeboten werden (wobei das Abonnieren nur mittels URL-Kopieren funktioniert). Komisch, dass auf einer Rubriken-Einstiegsseite (z.B. bei der Rubrik Science)  oben in der Mitte ein zweites Suchfenster erscheint - das übliche Suchfenster oben rechts hätte mir eigentlich genügt (siehe Screenshot).

Ethlifesuchfenster

Auf der Homepage linkt das ETH-Life-Logo auf die Homepage - ein Fehler, der offenbar nicht auszumerzen ist. Wenig hilfreich ist die magere Navigation, die nicht inhaltlich aufgebaut ist.

Ethlifenavi

Und da es auch sonst keine Rubriken und keine Verschlagwortung gibt (z.B. im Sinne einer Tag-Wolke), habe ich keine Ahnung, wie man hier etwas zu einem bestimmten Thema findet. Zumal die Suche auf ETH Life eine implementierte Google-Suche über alle ETH-Sites ist, was beim ersten Mal sehr verwirrt.

ETH Life läuft auf Zope und Silva, einem Produkt einer holländischen Firma Infrae.

Trotz allem: Ich werde ETH Life treu bleiben, um die weitere Entwicklung nicht zu verpassen.